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Finanzen07.06.2011, 08:28

Rohstoffrally
Teure Wolle bringt Anzugträger ins Schwitzen
Jahrzehntelang warf die Schafzucht kaum Geld ab. Inzwischen wird so wenig geschoren, dass die Preise für Wolle kräftig steigen. Darunter leiden vor allem Herrenausstatter. von Barbara Schäder, Frankfurt
 
Nach der Preis-Rally bei Baumwolle und Kunstfasern müssen die Modehersteller auch für Wolle mehr bezahlen. Schrumpfende Schafherden und die steigende Nachfrage in Schwellenländern wie China haben die Preise auf den höchsten Stand in einem Vierteljahrhundert getrieben.
 
Der Referenzpreis für Schurwolle im wichtigsten Exportland Australien erreichte Ende vergangener Woche mit 13,92 australischen Dollar pro Kilogramm (10,18 Euro) den höchsten Stand seit 23 Jahren. Der Eastern Marke Indicator wird von der australischen Wollbörse AWEX ermittelt und gibt den Durchschnittspreis wieder, der bei Versteigerungen von fünf Auktionshäusern in Sydney, Newcastle, Melbourne, Launceston und Fremantle erzielt wird. Auch in Großbritannien notieren die Preise nach Angaben des British Wool Marketing Board auf dem höchsten Stand seit den 1980er- Jahren.
Australische Merino-Wolle wird vor allem für Anzüge verwendet
Australische Merino-Wolle wird vor allem für Anzüge verwendet
 
Wichtigste Ursache des Preisanstiegs sei der weltweite Produktionsrückgang, sagte Wollhändler Jens Nielsen FTD.de. "In den letzten Jahren waren die Farmer extrem unzufrieden mit ihren Verdienstmöglichkeiten", erläuterte der Experte, der dem Vorstand der Deutschen Wollvereinigung angehört und verschiedene Arbeitsgruppen der International Wool Textile Organization (IWTO) in Brüssel leitet. Zahlreiche Bauern hätten die Schafzucht aufgegeben und sich auf ertragreichere Produkte wie Milch oder Soja konzentriert.
 
Allein in Australien hat sich der Ausstoß in den vergangenen zehn Jahren halbiert: Von 670.000 Tonnen zur Jahrtausendwende auf 343.000 Tonnen im Verkaufsjahr 2009/10. Für die laufende Saison erwartet der Züchterverband Australien Wool Innovation (AWI) einen neuerlichen Rückgang auf 340.000 Tonnen. Erst im folgenden Jahr dürfte die Produktion wieder leicht auf 345.000 Tonnen anziehen, schrieb der Verband in einer Anfang April veröffentlichten Prognose. "Die Zunahme mag gering sein, aber sie deutet darauf hin, dass die seit Anfang der 90er anhaltende Talfahrt ein Ende findet."
 
Wolle steckt in Anzügen, Teppichen und Outdoor-Kleidung
 
Grund für die Kehrtwende ist, dass das schrumpfende Angebot auf eine stetig steigende Nachfrage stößt. Schon im vergangenen Jahr zogen die Preise kräftig an, weil die weltweit verfügbare Wolle nicht reichte, um den Bedarf zu decken. Der weltweite Wollverbrauch sei 2010 um ein Prozent gesunken - weil es einfach nicht genug Garn gegeben habe, schreibt der Branchendienst Yarns and Fiber Exchange.
 
Getrieben wird die Nachfrage nach Einschätzung des IWTO-Experten Nielsen einerseits durch den wachsenden Markt für Outdoor-Kleidung, andererseits durch die asiatischen Staaten. Hintergrund sei die zunehmende Verbreitung von Anzügen, für die feine australische Merino-Wolle verwendet wird. "Japan ist schon heute der größte Einzelmarkt für Anzüge, das färbt auf China ab", sagte Nielsen.
 
Die ersten Herrenausstatter in London reagieren laut Financial Times bereits auf die steigenden Rohstoffkosten: Das Familienunternehmen Harvie & Hudson habe die Anzugpreise um 50 Pfund heraufgesetzt. Die Edelmarke Hugo Boss erwägt dem Bericht zufolge Preiserhöhungen für ihre teureren Produkte. Die deutschen Verbraucher werden die höheren Weltmarktpreise nach Einschätzung Nielsens Anfang 2012 zu spüren bekommen.
 
Entspannung ist nicht in Sicht, denn die Wollpreise werden auch durch eine steigende Nachfrage nach Teppichen getrieben. Sowohl in Hotels als auch in Flugzeugen werde das Naturprodukt zunehmend eingesetzt, weil es schwer entzündlich sei, sagte Nielsen.
 
Hinzu kommt der Mangel an günstigen Alternativen: Nachdem sich der Baumwollpreis in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt hat, stiegen zahlreiche Textilfabrikanten auf Kunstfasern um - mit dem Ergebnis, dass sich auch diese kräftig verteuerten. Kunstfasern wie Polyester wiederum "stehen im direkten Wettbewerb zu Wolle", schreiben die Experten vom Yarns and Fiber Exchange.

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